Bupropion (Zyban®)

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Wirksamkeit für den Rauchstopp wissenschaftlich nachgewiesen. Rezeptpflichtiges Medikament, erfordert ärztliche Betreuung.

Das Nikotin aus den Tabakblättern wirkt auf das Nervensystem ein Es bindet an Rezeptoren und veranlasst die Ausschüttung des chemischen Botenstoffs Dopamin. Dieser trägt zum Genuss beim Rauchen bei.

Der genaue Wirkmechanismus von Bupropion ist nicht vollständig geklärt. Doch ist bekannt, dass es auf diese chemischen Botschaften einwirkt. Angenommen wird, dass es die Wiederaufnahme von Dopamin im Belohnungssystem hemmt. Bupropionhydrochlorid wurde ursprünglich in den USA als Antidepressivum eingesetzt.

Bupropion dient aus folgenden Gründen dem Raucherentzug:

  1. Es senkt den Rauchgenuss.
  2. Es mindert die Entzugserscheinungen.
  3. Es soll die Gewichtszunahme beschränken.

Dieses Medikament ist generell eher für Menschen geeignet, die Nikotin-Ersatzstoffe nicht vertragen, mehrmals Misserfolge damit erlitten oder an einer Depression gelitten haben. Eine Studie hat gezeigt, dass Bupropion bei Rauchenden wirksam ist, die depressiv gewesen waren, nicht aber bei solchen, die es zur Zeit der Studie waren.(8)

Anwendung

Im Folgenden einige Tipps zur Anwendung:

Befolgen Sie genau die Anweisungen Ihrer Ärztin. Sie kennt Ihren Gesundheitszustand und legt mit Ihnen einen Therapieplan fest.

  • Sie sollten Ihren kompletten Rauchstopp so planen, dass er 8 bis 14 Tage nach Behandlungsbeginn liegt.
  • Grundsätzlich beginnt die Behandlung also 7 bis 14 Tage vor diesem Rauchstopptermin, damit die Substanz ihre Wirkung entfalten kann.
  • Während 6 Tagen 1 Tablette am Morgen einnehmen.
  • Ab dem 7. Tag 2 Tabletten pro Tag einnehmen: eine beim Aufstehen und eine am Nachmittag (mind. 8 Stunden dazwischen).
  • Die Behandlung dauert 7 bis 9 Wochen.
  • Bei anhaltenden starken Nebenwirkungen brechen Sie die Behandlung nicht ohne vorgängige Rücksprache mit Ihrem Arzt ab. Es ist möglich, die Dosis auf 1 Tablette pro Tag zu reduzieren, womit die Nebenwirkungen stark reduziert wird, die Wirkung für den Tabakstopp aber praktisch gleich erhalten bleibt.
  • Es ist möglich, Zyban® mit Nikotin-Ersatzstoffen zu kombinieren. Doch konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass dies die Wirkung steigert.
  • Während der Behandlung keinen Alkohol trinken.

Nebenwirkungen

Schlaflosigkeit ist mit 30 bis 40 Prozent der Fälle eine sehr häufige Nebenwirkung. Folgende Nebenwirkungen sind bekannt: Mundtrockenheit (10 %), Agitiertheit, Angstzustände, Reizbarkeit, Depression, Zittern, Kopfschmerzen, Schwindel, Tachykardie, Brustschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung, vorübergehender Hautausschlag, Urtikaria und sehr selten epileptische Anfälle (1 von 1000).

Es bestehen zwingende Kontraindikationen für Bupropion (Zyban®), die es unbedingt zu beachten gilt. So wird bei Überempfindlichkeit für den Wirkstoff, schweren Essstörungen und bei Alkoholentzug dringend von der Anwendung dieses Medikaments abgeraten. Sowieso ist nur Ihr Arzt befugt, Ihnen dieses Medikament zu verschreiben. Informieren Sie ihn genau über alle Medikamente, die Sie einnehmen, damit er Ihre Behandlung optimal anpassen kann.

Eine Aufzählung aller Kontraindikationen und Nebenwirkungen finden Sie auf compendium.chliens_externe_bleu-sur-blanc.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wie bei vielen Medikamenten liegen auch für Zyban® nur wenige Daten zur Wirkung während der Schwangerschaft vor. Es ist keine negative Wirkung auf die Entwicklung des Fötus bekannt (namentlich Fehlbildungen), doch wird es möglichst nicht während der Schwangerschaft verwendet, weil die Risikolage ungewiss ist. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin und suchen Sie mit ihr die beste Lösung. Wenn Sie eine Schwangerschaft planen, achten Sie darauf, dass Zyban® erst nach rund einer Woche ganz abgebaut ist. Da der Wirkstoff von Zyban® in die Muttermilch gelangt, wird während der Stillzeit davon abgeraten.

Preis

Die 7-wöchige Behandlung (92 Tabletten) kostet Fr. 143.–. In der Schweiz ist das Medikament nicht krankenkassenpflichtig, kann aber von einer Zusatzversicherung übernommen werden. Zum Vergleich: Ein Zigarettenpaket à Fr. 8.– (Durchschnittspreis) pro Tag während 49 Tagen (7 Wochen) kostet Fr. 392.–

Wirksamkeit für Rauchstopp

Die Verwendung des Antidepressivums Bupropion steigert die Wahrscheinlichkeit, den Rauchstopp zu schaffen, um 52 bis 77 Prozent. Dies entspricht auf 100 Menschen, die mit Rauchen aufzuhören versuchen, 5 bis 7 mehr, die es 6 Monate oder länger schaffen.

  • Bupropion ist nicht wirksamer als die Nikotin-Ersatzstoffe oder als Vareniclin. Seine Wirksamkeit entspricht derjenigen der Ersatzstoffe.
  • Laut Studien gibt es Hinweise dafür, dass Bupropion weniger wirksam ist als Vareniclin, doch sind weitere Arbeiten erforderlich, um dies zu bestätigen.
  • Es gibt keinen hinreichenden Beweis dafür, dass die Kombination von Bupropion und Nikotin-Ersatz die Erfolgschancen für eine langfristige Rauchabstinenz verbessert.

Generell können Antidepressiva bisweilen aus drei Gründen für den Rauchstopp hilfreich sein (Hughes et al. 2007):

  1. Der Nikotinentzug kann zu depressiven Verstimmungen führen und im schlimmsten Fall das Auftreten einer schweren Depression befördern. Ein Antidepressivum wirkt diesem Risiko entgegen.
  2. Die «antidepressiven» Eigenschaften von Nikotin sind ein Faktor für das Weiterrauchen. Weil der Rauchende, der nicht raucht, aus Nikotinmangel niedergeschlagen ist, fängt er wieder zu rauchen an, um sich besser zu fühlen. Ein Antidepressivum ersetzt diese Wirkung von Nikotin.
  3. Antidepressiva wirken auf bestimmte neurale Systeme und Rezeptoren, deren Zusammenhang mit der Nikotinsucht nachgewiesen ist.

Hypothese 1 und 2 oben sind nicht belegt. Ganz im Gegenteil scheint es so, dass sich Bupropion unabhängig von seiner antidepressiven Wirkung auf das Rauchen auswirkt (Hughes et al., 2014).

Literatur
  1. Howes S, Hartmann-Boyce J, Livingstone-Banks J, Hong B, Lindson N. Antidépresseurs pour le sevrage tabagique. Base de données Cochrane des revues systématiques 2020, numéro 4. Art. N° : CD000031. DOI : 10.1002/14651858.CD000031.pub5.
  2. Hughes JR1, Stead LF, Hartmann-Boyce J, Cahill K, Lancaster T. Antidepressants for smoking cessation. Journal Cochrane Database Syst Rev. 2014 Jan 8;1:CD000031. doi: 10.1002/14651858.CD000031.pub4.Update of 2007
  3. Kate Cahill, Sarah Stevens, Rafael Perera, Tim Lancaster, Pharmacological interventions for smoking cessation: an overview and network meta-analysis, Editorial Group: Cochrane Tobacco Addiction Group, Published Online: 31 MAY 2013
  4. Hurt RD, Sachs DPL, Glover EB, et al. A comparison of sustained-release bupropion and placebo for smoking cessation. N Engl J Med 1997; 337: 1195-202.
  5. Jorenby DE, Leischow SJ, Nides MA et al. A controlled trial of sustained release bupropion, a nicotine patch or both for smoking cessation. N Engl J Med 1999 ; 340: 685-91.
  6. Dale LC, Glover ED, Sachs DPL, et al. Bupropion for smoking cessation – predictors of successful outcome. Chest 2001; 119:1357-64.
  7. Rose JE, Behm FM., Combination Treatment With Varenicline and Bupropion in an Adaptive Smoking Cessation Paradigm, Journal Am J Psychiatry. 2014 Jun 17. doi: 10.1176/appi.ajp.2014.13050595.
  8. van der Meer RM, Willemsen MC, Smit F, Cuijpers P. Smoking cessation interventions for smokers with current or past depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 8. Art. No.: CD006102. DOI: 10.1002/14651858.CD006102.pub2
  9. De Long NE1, Barra NG, Hardy DB, Holloway AC.Is it safe to use smoking cessation therapeutics during pregnancy? Journal Expert Opin Drug Saf. 2014 Oct 21:1-11.