Motivierende Gesprächsführung zur Rauchentwöhnung

Young,Female,Psychologist,Working,With,Indian,Man,In,Modern,Office

Motivierende Gesprächsführung ist eine Interviewtechnik, die der Person hilft, ihr Verhalten zu ändern. Die Argumente für die Raucherentwöhnung kommen von den Patient:innen, nicht von dem/der Therapierenden. Während des Beratungsgesprächs werden Sie ihre Ambivalenz erkunden und auflösen: Sie werden versuchen, die Gründe zu verstehen, warum Sie sich nicht sicher sind, ob Sie mit dem Rauchen aufhören können, wenn Sie möchten!

Sie werden die Beweggründe für die Rauchentwöhnung nennen, während Sie eine Liste der durch Ihren Konsum verursachten Probleme erstellen. Durch die Neuformulierung ermutigt Sie der/die Therapierende, in Ihrer Reflexion weiter zu gehen.

Die Motivation baut sich nach und nach auf, mit dem Rauchen aufzuhören!

Erstmals von Miller und Rollnick (3) entwickelt, zielen Interventionen dieser Art darauf ab, die intrinsische Fähigkeit der abhängigen Person zu mobilisieren, aus der Situation herauszukommen.Das Interveiw findet in einer warmen, empathischen und nicht konfrontativen Atmosphäre statt. Es erfordert aktive Teilnahme. Diese einfühlsame therapeutische Haltung ermöglicht es, Schwierigkeiten und Gefühle besser auszudrücken.

Der/die Therapierende versucht, die Dinge durch Ihre Augen zu sehen und sich in Ihre Lage zu versetzen um zu verstehen was Sie möglicherweise fühlen. Er oder sie formuliert das Gesagte neu und ermöglicht eine Vertiefung der Reflexion. Wenn Sie sich besser verstanden fühlen sind Sie eher bereit sich zu öffnen und Ihre Erfahrungen zu teilen. Der/die Therapierende wird Ihre Schwachstellen im Veränderungsprozess und Ihre Überzeugungen rund um den Tabakkonsum aufzeigen, aber vor allem werden Sie gemeinsam an der Erweiterung Ihrer Ressourcen und Ihrer Möglichkeiten zur Änderung Ihrer Denkweise und Ihrer Gewohnheiten arbeiten.

Werkzeuge um voranzukommen…

In einem motivationstherapeutischen Gespräch konfrontiert der/die Therapierende die Person nicht direkt mit ihrer Tendenz, ihr Problem zu banalisieren oder gar zu leugnen. Der/die Therapierende geht davon aus, dass die endgültige Entscheidung für eine Veränderung bei Ihnen liegt. Die Abwehrargumente, die Sie angesichts des Wandels vorbringen, werden nicht diskutiert. Im Gegenteil, der Sprecher hält an den Ansichten der Person fest und ermutigt sie, ihren Widerstand zu verbalisieren, indem sie das Gesagte umformulieren.

Ganz konkret…

Sie formulieren die positiven und negativen Aspekte des Rauchens. Der/die Therapierende korrigiert ohne zu urteilen – alle objektiven Fehler; er/sie muss versuchen festzustellen, ob Sie für die Veränderung bereit sind. Werturteile und nicht konstruktive Kritik sind natürlich zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, herauszufinden, was die positiven und negativen Verstärker Ihres Verhaltens sind. Sie müssen auch ein Datum für Ihren Rauchstopp festlegen und sich daran halten.

Für Menschen, die nicht bereit sind, den Prozess des Aufhörens zu durchlaufen

Der/die Therapierende kann Sie bei einem schrittweisen Vorgehen begleiten (8):

  1. Geben Sie an, warum die Raucherentwöhnung persönlich relevant ist (Schwangerschaft, Krankheiten, Kosten usw.)
  2. Identifizieren Sie die negativen Folgen des Rauchens (Abnahme der Libido, Hautalterung, Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit usw.)
  3. Identifizieren Sie die Vorteile eines Rauchstopps für das körperliche, finanzielle und psychosoziale Wohlbefinden.
  4. Identifizieren Sie die Hindernisse für das Aufhören und entwickeln Sie Strategien, um diese zu überwinden.
  5. Wiederholen Sie dieses Vorgehen mehrmals hintereinander (oft sind mehrere Versuche notwendig).

Ratschlag: Das motivierende Interview besteht aus drei Sitzungen à 50 Minuten, die 8-12 Wochen Dauern.

Erklärungsvideo (auf französisch)

Wirksamkeit der motivierenden Gesprächsführung bei einer Tabakentwöhnung

Laut einem in der Schweizer Fachzeitschrift (2018) (6) veröffentlichten Artikel wurde die Wirksamkeit der motivierenden Gesprächsführung in mehr als 200 randomisierten kontrollierten Studien gut untersucht, und wir wissen jetzt, dass dieser Ansatz effektiver ist als Standardinterventionen, auch wenn das Interview kurz ist (weniger als 10 Minuten) und in Kombination mit anderen Interventionen sind die Erfolgsraten noch besser.

Im Bereich des Tabakkonsums zeigte eine Metaanalyse, dass motivierende Gesprächsführung die maximale Wirksamkeit (OR: 1,45) nach 12-14 Wochen aufwies.3

Vor kurzem beschreibt eine systematische Review (2019) (1) wie schwierig es ist die Wirksamkeit dieses Ansatzes zu isolieren und die Notwendigkeit, ihn weiter zu untersuchen.

Litteratur
  1. Lindson N, Thompson TP, Ferrey A, Lambert JD, Aveyard P. Motivational interviewing for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 7. Art. No.: CD006936. DOI: 10.1002/14651858.CD006936.pub4
  2. MillerWR, RollnickS. L’entretien motivationnel. Aider la personne à engager le changement. Paris : Interéditions, 2013.
  3. HeckmanCJ, EglestonBL, HofmannMT. Efficacy of motivational interviewing for smoking cessation: a systematic review and meta-Analysis. Tob Control 2010;19:410–416.
  4. AmrheinP, MillerWR, . Client commitment language during motivational interviewing predicts drug use outcomes. Consult Clin Psychol 2003;71:862–878.
  5. MoyersTB, MartinT. Therapist influence on client language during motivational interviewing sessions. J Subst Abuse Treat 2006;30:245–251.
  6. Gache, P., Sommer, J. (2018). ‚Comment motiver le patient à arrêter de fumer ?: Sensibilisation à l’entretien motivationnel‘, Rev Med Suisse 2018; volume 4. no. 591, 229 – 230 doi: .
  7. Gache, P., Meynard, A., Meylan, M., R., Sommer, J., Fortini, C. (2006). ‚L’entretien motivationnel : quelques repères théoriques et quelques exercices pratiques‘, Rev Med Suisse 2006; volume -8. no. 080, 2154 – 2162 doi:
  8. ahrq.gov