Snus, Schnupftabak, Kautabak usw.

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Die verschiedenen Formen von Oraltabak

Die meisten rauchlosen Tabakerzeugnisse werden oral verwendet und beispielsweise an die Wange gedrückt oder unter die Zunge gelegt. Einige müssen gekaut werden, damit das Nikotin über die Mundschleimhäute aufgenommen werden kann. Andere müssen inhaliert werden.

Alle diese Formen von rauchlosem, nikotinhaltigem Tabak haben ein sehr hohes Suchtpotenzial und bergen Gesundheitsrisiken:

  • Snuff oder Schnupftabak: eine Form von Tabak zum Inhalieren. Man saugt ihn direkt in die Nase ein, ohne dass er verbrannt wird. Dieses in der Schweiz legale Pulver ist stark reizend für die Nasenschleimhäute und enthält eine Vielzahl von krebserregenden Substanzen.
  • Snus mit Tabak: ein kleines Päckchen Tabakpulver, das zwischen Wange und Zahnfleisch platziert wird (lose oder in kleinen Beuteln). Er enthält selbstverständlich Nikotin. Er wird hauptsächlich in Schweden und Norwegen konsumiert, ist aber auch in der Schweiz immer häufiger anzutreffen.
  • Tabakfreier Snus mit Nikotin: kleiner, oft weisser „Push“-Nikotinbeutel, in dem Pflanzenfasern, Aromastoffe und Nikotinsalze (oder synthetisches Nikotin) enthalten sind, das besonders süchtig macht. Damit aufzuhören ist genauso schwierig wie der Rauchstopp.
  • Tabakfreier Snus ohne Nikotin: Dieser kleine Beutel, der in die Wange geklemmt wird, enthält nur Kräuter, Aromen, Vitamine, Mineralien und manchmal Ginseng. Als Alternative zu nikotinhaltigem Snus wird er von den Herstellern als potenzielle Entwöhnungshilfe angepriesen.
  • Kautabak: Kauen bedeutet, dass man ein Stück Tabak mehrere Stunden lang im Mund behält. Kautabak gibt es in Form von kleinen Tabakplatten, geflochtenem Tabak oder losen Blättern.
  • Die Tabakhersteller bieten heute auch Tabakpastillen an.

Mit zahlreichen Zusatzstoffen…

Diese rauchlosen Tabakprodukte enthalten zahlreiche Zusatzstoffe. Sie ermöglichen es:

  • den Geschmack zu verändern (Zucker, Nüsse, Gewürze, Öle, Fruchtaromen usw.)
  • den pH-Wert mit einer Art von nicht protoniertem Nikotin zu erhöhen, um den Konsumkomfort zu verbessern
  • die Nikotinaufnahme zu erhöhen, um die Abhängigkeit von dem Produkt aufrechtzuerhalten

Eine Formel, die Jugendliche dazu verleitet, mit dem Rauchen anzufangen!

In der Schweiz gibt es keine Hinweise darauf, dass diese rauchlosen Alternativen eine positive Wirkung haben. Eine am CHUV in Lausanne durchgeführte Studie mit 5‘000 Armeerekruten (2018), die in der Zeitschrift Nicotine & Tobacco Research (1) veröffentlicht wurde, unterstreicht die katastrophalen Auswirkungen dieser Art des Konsums. Diese Produkte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass junge Erwachsene mit dem Rauchen beginnen! Bei Nichtrauchern, die bereits kleine Mengen rauchlosen Tabaks konsumieren, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie auf Zigaretten umsteigen.

In derselben Studie wurde festgestellt, dass Soldaten, die bereits geraucht hatten, eher dabeibleiben, auch wenn sie nebenbei Snus oder Schnupftabak konsumierten. Diese Alternativen haben also keine positiven Auswirkungen auf den Zigarettenkonsum, zumindest nicht für diese Altersgruppe – etwa 20 Jahre – in der Schweiz. Sie sollen sogar eher schädlich sein.

Nicht-protoniertes oder freies Nikotin wird leichter absorbiert als protoniertes oder ionisiertes Nikotin. Daher machen diese angenehmeren Produkte den Konsumenten oder die Konsumentin stark abhängig.

Anstieg der Verkaufszahlen in der Schweiz

Seit 2019 ist Snus in der Schweiz legal im Handel erhältlich und darf je nach Kanton an Personen ab 16 Jahre oder ab 18 Jahre verkauft werden. Diese kontrollierte Legalisierung des Verkaufs von Snus war im Entwurf des Tabakproduktegesetzes vorgesehen, das 2022 in Kraft treten sollte. Sie erfolgte jedoch früher. Snus wird im Rahmen des Tabaksteuergesetzes mit 6 % des Kleinhandelspreises besteuert. Tabakfreier Snus wird nicht besteuert.

Diese Produkte bieten keinen Vorteil gegenüber E-Zigaretten oder anderen elektronischen Produkten, die Nikotin abgeben. In einer Studie wurde festgestellt, dass die Nikotinabhängigkeit bei Snus-Konsumenten grösser war als bei Rauchern (2). Im Allgemeinen zeigen Studien, dass Raucher und Raucherinnen, die Snus konsumieren, mit höherer Wahrscheinlichkeit weiterrauchen! (3)

Der ausschliessliche Konsum von Kautabak und Snus scheint einer der Einstiegswege zu einem gemischten und später ausschliesslichen Zigarettenkonsum zu sein. 20 % derjenigen, die ausschliesslich Snus konsumieren, werden zu täglichen Rauchern. (4)

Die Einfuhr von schwedischem Snus in die Schweiz hat zugenommen. Sie stieg innerhalb von nur acht Jahren von 484 Kilogramm (2004) auf 28,3 Tonnen (2012). Laut Suchtmonitoring der Schweiz konsumierten 0,5 % der rund 11‘000 Befragten Snus, wobei der Anteil der Männer mit 0,9 % denjenigen der Frauen überwiegt (2016). Offenbar wird Snus vor allem von Männern in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen konsumiert. (5)

Und anderswo in der Welt?

In den letzten Jahren hat der Konsum von Oraltabak, insbesondere von Schnupftabak, zugenommen, vor allem bei Personen unter 40 Jahren.

In den USA wird die Zahl der Konsumenten von rauchlosem Tabak auf 8,1 Millionen geschätzt. (6) Vor allem Amerikaner zwischen 18 und 25 Jahren verwenden diese Tabakformen für den oralen Gebrauch.  (7) Die Schweden konsumieren mehr Snus als Zigaretten. Anfang der 1980er Jahre rauchten 37 % der schwedischen Bevölkerung und 17 % konsumierten Snus. Seit 2005 hat sich das Konsumprofil umgekehrt: Es gibt 14 % Raucher und 28 % Snus-Konsumenten. (8)

In den USA und in Schweden hat der Snus-Konsum bei jungen Männern zugenommen. (9)

In Frankreich wird rauchloser Tabak vor allem von männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen angewendet, insbesondere von Eis- und Schneesportlern.

In Europa ist der Verkauf von Snus in allen Ländern ausser dreien verboten. Nur in Schweden und Norwegen war der Verkauf von Snus (dank einer Ausnahmeregelung der Europäischen Union) bis vor kurzem erlaubt.

Tabakhersteller bewerben diese Tabakerzeugnisse zum oralen Gebrauch als weniger giftig als Zigaretten, ähnlich wie früher die sogenannten „Light“-Zigaretten. In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) SNUS Ende 2019 als erstes Produkt anerkannt, das offiziell weniger schädlich ist als das Rauchen.

Bibliographie
  1. Gmel G, Clair C, Rougemont-Bücking A, Grazioli VS, Daeppen JB, Mohler-Kuo M, Studer J. Snus and Snuff Use in Switzerland Among Young Men: Are There Beneficial Effects on Smoking? Nicotine Tob Res. 2018 Sep 25;20(11):1301-1309. doi: 10.1093/ntr/ntx224 .
  2. NL Benowitz. Nicotine and smokeless tobacco CA: a cancer journal for clinicians, 2008 – Wiley Online Library
  3. Grøtvedt L, Forsén L, Ariansen I, Graff-Iversen S, Lingaas Holmen T. Impact of snus use in teenage boys on tobacco use in young adulthood; a cohort from the HUNT Study Norway. BMC Public Health 2019;19: 1265.
  4. B.Dautzenberg.Le tabac à sucer, cette drôle d’idée que la Suède veut exporter. Info Respiration (Paris) n◦96, avril 2010
  5. Kuendig H., Notari L., Gmel G. (2017). Cigarette électronique et autres produits du tabac de nouvelle génération en Suisse en 2016 – Analyse des données du Monitorage suisse des addictions, Addiction Suisse, Lausanne, Suisse
  6. MR Piano, NL Benowitz, GA FitzGerald, S Corbridge… Impact of smokeless tobacco products on cardiovascular disease: implications for policy, prevention, and treatment- Circulation, 2010 – Am Heart Assoc
  7. MR Piano, NL Benowitz, GA FitzGerald, S Corbridge… Impact of smokeless tobacco products on cardiovascular disease: implications for policy, prevention, and treatment- Circulation, 2010 – Am Heart Assoc
  8. Dautzenberg B. Le tabac à sucer, cette drôle d’idée que la Suède veut exporter. Info  Respiration (Paris) n◦96, avril 2010)
  9. Eidgenössische Kommission für Tabakprävention. EKTP-Stellungnahme zu Tabakprodukte zum oralen Gebrauch. [Online].; 2017

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