Passivrauch bei erhitztem Tabak (Iqos, Ploom, Glo)

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Die erhitzten Tabakprodukte (Iqos, Ploom, Glo) werden von der Tabakindustrie hergestellt. Um einen rückläufigen Markt zu beleben, stellt die Tabakindustrie die erhitzten Tabakprodukte als weniger schädlich dar als Verbrennungszigaretten. Mit ihren Studien versuchen sie insbesondere, die Problematik des Passivrauchs herunterzuspielen.

Aber wie sieht es für das Umfeld wirklich aus? Was geschieht, wenn erhitzter Tabak in einem geschlossenen Raum, beispielsweise im Auto geraucht wird? Das Wichtigste zum aktuellen Wissensstand.

Die Risiken des Passivrauchens sind heute gut belegt.

Der Tabakrauch, der seitlich aus der herkömmlichen Zigarette austritt (Sekundärrauch), weist eine andere Zusammensetzung aus als der Rauch, den die Rauchenden inhalieren (Primärrauch). Der Sekundärrauch weist einen erhöhten Gehalt an Stoffen wie Kohlenmonoxid, Stickstoffoxid, Teer und Benzol auf als der Primärrauch, der inhaliert wird

Gesundheitliche Wirkung des Sekundärrauchs

Wie andernorts erwähnt, Hat die Passivrauchexposition bei Verbrennungszigaretten folgende Konsequenzen:

Zusammensetzung von erhitztem Tabak

Die erhitzten Tabakprodukte der Tabakindustrie sollten systematisch dem Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen unterstellt werden.

Alle wissenschaftlichen Studien – sogar diejenigen der Tabakindustrie – weisen nach, dass bei den erhitzten Tabakprodukten Rauchpartikel erzeugt werden. Diese sind besonders feinkörnig. Die Gesundheitsrisiken hängen besonders von der Zusammensetzung dieser Staubkörner ab.

Forschende der Universität Lausanne (Institut de Santé au travail IST) und von Unisanté (Lausanne) haben nachgewiesen, dass Iqos Rauch ausstösst und toxische Verbindungen freisetzt, die auch in herkömmlichen Zigaretten vorhanden sind: flüchtige organische Verbindungen (VOC), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die krebserregend sind (Benzol, Formaldehyd, tabakspezifische Nitrosamine) und Kohlenmonoxid. Zwar liegen diese giftigen Verbindungen meist in geringerer Konzentration vor als beim Rauch der herkömmlichen Zigaretten, doch hat das Forscherteam grosse Mengen anderer Schadstoffe nachgewiesen wie Acrolein, ein wichtiger Reizstoff des Tabakrauchs. (1)

Neuere unabhängige Studien (2022) und die Analyse der Daten der Tabakindustrie (PMI) haben auch einen deutlichen Anstieg anderer Emissionen ergeben, die mit den herkömmlichen (Verbrennungs-) Zigaretten nicht bekannt waren. Dabei soll es sich um Stoffe handeln, die noch immer nicht auf der Liste der (potenziell) schädlichen Stoffe der US-amerikanischen Food und Drug Administration (FDA) erscheinen. (7)

Iqos gibt also Emissionen ab, die für die Passivrauch-Betroffenen toxisch sind. Somit können die Tabakerhitzer zu einer Verschlechterung der Innenluftqualität beitragen. Je kleiner der Raum ist (Auto) und je weniger gelüftet wird, desto grösser ist die Schadstoffkonzentration. (2)

Die erhitzten Tabakprodukte stellen eine geringere Verschmutzungsquelle in Innenräumen dar als die herkömmlichen Zigaretten, doch ist ihre Wirkung wahrscheinlich nicht vernachlässigbar und noch nicht vollständig abgeklärt. Kanadische Tests mit Iqos zeigen, dass das Aerosol des Primär- und Sekundärrauchs in einer Testkammer bis zu 33 flüchtige organische Verbindungen (VOC) enthalten kann. Zudem wurden Aldehyde, Stickstoffverbindungen und aromatische sowie weitere (potenziell) schädliche Verbindungen nachgewiesen. (3)

Die Tabakindustrie ist nicht vertrauenswürdig

Eine Studie von Philip Morris kommt zum Schluss, dass die ultrafeinen Partikel der herkömmlichen Zigaretten, die sich im Atemtrakt niederschlagen, in viermal höherer Konzentration vorkommen als bei erhitzten Tabakprodukten wie Iqos. (4) Aber bei allen dabei untersuchten Produkten war die Hälfte der Partikel im Atemsystem so klein, dass sie auch bis zu den Lungenbläschen gelangen konnten. Somit wäre jemand, der 1 Stunde lang mit einer Person in einem geschlossenen Raum verbringt, die eine herkömmliche Zigarette raucht, ebenso vielen ultrafeinen Partikeln ausgesetzt, wie wenn er sich 49 Minuten im dichten Strassenverkehr aufhalten würde; bei einer selbstgedrehten Zigarette wie 34 Minuten, bei einer E-Zigarette wie 12 Minuten, bei Iqos wie 10 Minuten. Dabei gilt zu beachten, dass die Studie nur die Dichte der Partikel betrachtete, nicht aber deren Zusammensetzung. Die Gesundheitsrisiken hängen nun aber von der Zusammensetzung der Partikel ab!

Imperial Tobacco hat laut eigenen Angaben Spuren von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) im Sekundärrauch von Iqos festgestellt. Doch handelt es sich dabei um eine Konkurrentin von Philip Morris, weshalb weitere Studien durchgeführt werden sollten, um dieses Phänomen zu erhärten und das Risiko dieser VOC-Spuren zu beurteilen, von denen einige krebserregend sind.

Offenbar könnten die erhitzten Tabakprodukte («heat no burn», HNB) das Umfeld von Rauchenden mit ultrafeinen Partikeln belasten, von denen viele bis in die Lungenbläschen vordringen können. Selbstverständlich müssen diese einstweiligen Daten mit Studien bestätigt werden, die eine breitere Produktepalette untersuchen. Bei den E-Zigaretten, bei denen ein tabakfreies Liquid verdampft wird, sind kürzlich zwei Studien zum Schluss gekommen, dass bei der Passivinhalation der Aerosole insbesondere feinen und ultrafeinen Partikeln, gewissen Schwermetallen, flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Nikotin eingeatmet werden. (6)

Und was sagt das Gesetz?

In der Schweiz sind die erhitzten Tabakprodukte zurzeit nicht direkt dem Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen unterstellt.  Die Rechtslage ist alles andere als klar. Dies nützen die Zigarettenhersteller aus. Sie unterstehen gegenwärtig den Gesetzesauslegungen der Kantone und je nach Kanton auch unterschiedlichen kantonalen Gesetzen.

Doch hat das Parlament am 1. Oktober 2021 eine Änderung des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen verabschiedet. Neu sind E-Zigaretten und erhitzte Tabakprodukte denselben Einschränkungen unterstellt wie die Zigaretten. Die Gesetzesänderung sollte 2023 in Kraft treten:

Schon heute (Stand Januar 2022) sind diese Vorschriften in den Kantonen Bern, Genf, Neuenburg und Wallis in Kraft!

Die Tabakverordnung (TabV) verlangt, dass die Packung von Tabakerzeugnissen, die zum Rauchen bestimmt sind, einen Warnhinweis tragen muss. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen Warnhinweis wie «Rauchen ist tödlich» zusammen mit einem ergänzenden Warnhinweis wie «Rauchen verursacht tödlichen Lungenkrebs» und müssen mit Abbildungen kombiniert sein, welche die Folgen des Rauchens darstellen. Doch für die HNB-Produkte, die als «erhitzter» Tabak gelten, ist nur der Hinweis «Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig» erforderlich. Im Vergleich mit den herkömmlichen Zigaretten scheint dieser «leichte» Warnhinweis zu suggerieren, die HNB-Produkte seien weniger schädlich.

Literatur

  1. Auer R, Concha-Lozano N, Jacot-Sadowski I, Cornuz J, Berthet A. Heat-Not-Burn Tobacco CigarettesSmoke by Any Other Name. JAMA Intern Med. 2017;177(7):1050–1052. doi:10.1001/jamainternmed.2017.1419
  2. Wolfgang Schober, Ludwig Fembacher, Adela Frenzen, Hermann Fromme, Passive exposure to pollutants from conventional cigarettes and new electronic smoking devices (IQOS, e-cigarette) in passenger cars, International Journal of Hygiene and Environmental Health, Volume 222, Issue 3, 2019, Pages 486-493, ISSN 1438-4639.
  3. Lucia Cancelada, Mohamad Sleiman, Xiaochen Tang, Marion L. Russell, V. Nahuel Montesinos, Marta I. Litter, Lara A. Gundel et Hugo Destaillats. Produits du tabac chauffés : émissions volatiles et leur impact prévu sur la qualité de l’air intérieur. Sciences et technologies de l’environnement 2019 53 (13), 7866-7876.
  4. Maurice R.Smith, Manuel C.Peitsch, Evaluation of the Tobacco Heating System 2.2. Part 1: Description of the system and the scientific assessment program, Regulatory Toxicology and Pharmacology, Volume 81, Supplement 2, 30 November 2016, Pages S17-S26
  5. Protano C, et al., Second-hand smoke exposure generated by new electronic devices (IQOS® and e-cigs) and traditional cigarettes: submicron particle behaviour in human respiratory system. Ann Ig. 2016 Mar-Apr;28(2):109-12
  6. Hess I, Lachireddy K, Capon A. A systematic review of the health risks from passive exposure to electronic cigarette vapour. Public Health Research & Practice. 2016.
  7. El-Kaassamani M, Yen M, Talih S, et al, Analysis of mainstream emissions, secondhand emissions and the environmental impact of IQOS waste: a systematic review on IQOS that accounts for data source, Tobacco Control Published Online First: 13 May 2022. doi: 10.1136/tobaccocontrol-2021-056986  

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