Rauchen und Sexualität

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Rauchen beeinträchtigt mindestens drei Aspekte Ihres Liebeslebens.

Von Dr. med. Christian Rollini, praktischer Arzt und Psychiater, Sexualmediziner

Denken Sie, Rauchen macht sexy? Das hat Ihnen die Tabakindustrie während Jahrzehnten vorgemacht. Eigentlich ist es aber eher umgekehrt!

Wahrscheinlich wissen Sie schon, dass Rauchen zu einem erhöhten Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Störungen führen kann. Ebenso sollten Sie wissen, dass sich Rauchen auch negativ auf Ihr Liebesleben auswirken kann. 

Erektile und sexuelle Störungen

Auch nur sporadischer Tabakkonsum kann zu einer signifikanten Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit führen (bis zu -20 %!). Neben den zahlreichen aktiven Tabaksubstanzen führen Nikotin, Kohlenmonoxid, bestimmte freie Radikale und andere unverzüglich zu einem geringeren Blutfluss, wie mehrere wissenschaftliche Studien gezeigt haben.

Doch insbesondere bei chronisch Rauchenden weisen die meisten Studien einen negativen Einfluss auf die Phase der sexuellen Erregung aus, d. h. im wesentlichen die Erektion des Penis bzw. die Lubrifikation der Scheide. Der Zusammenhang zwischen langfristigem Tabakkonsum und Erregungsstörungen ist bekannt und gut dokumentiert. , , , Das ist verständlich, denn die sexuelle Erregung erfordert einen guten Blutdurchfluss, der aber vom Rauchen beeinträchtigt wird. Denken wir daran, dass das Rauchen ein bekannter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Aufgrund der Übereinstimmung zwischen Erregungsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weil Schädigungen der Penisarterie beispielsweise früher auftreten als koronare Herzprobleme, ist auch die Rede von «Warnsymptomen». Dies bedeutet, dass eine Erektionsstörung ein erstes Anzeichen für bevorstehende schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein könnte. Denn bereits ein Verlust von 25 Prozent des Blutflusses im Penis beeinträchtigt die Erektion, während der Verlust über 50 Prozent betragen muss, damit eine koronare Herzkrankheit (z. B. Angina pectoris) klinisch relevant wird.

Somit kann eine Erektionsstörung mehrere Jahre vor den ersten Herzproblemen auftreten. Die schädliche Wirkung des Rauchens für die Gesundheit der Blutgefässe scheint von der Dosis und der Konsumdauer abhängig zu sein. Gewisse Studien beschreiben bei regelmässig Rauchenden eine Zunahme der Erektionsstörungen von bis zu 40 Prozent.
Das Rauchen hat auch Auswirkungen auf die Sexualität: Die Libido von Raucherinnen und Rauchern kann signifikant abnehmen.

Und verschiedene Krankheiten wie sexuelle Infektionen und eine Penisverkrümmung können durch regelmässigen Tabakkonsum gefördert oder verschärft werden.

Fruchtbarkeitsstörungen

Doch Tabak wirkt sich nicht nur negativ auf die sexuelle Erregung aus. Er hat auch Folgen auf die Fruchtbarkeit, die bei Raucherinnen und Rauchern beeinträchtigt wird und zu bekannten Geburtsproblemen führen kann.

Vorzeitige Wechseljahre und prämenstruelles Syndrom

Chronisches Rauchen wirkt antiöstrogen und kann die Wechseljahre um mehrere Jahre verfrüht auslösen.

Tabak als Risikofaktor

Die signifikant erhöhte Prävalenz von Erektionsstörungen bei Raucherinnen und Rauchern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (40 % statt 28 %) spricht eindeutig für eine Korrelation zwischen Tabak und Erektionsstörungen.

Epidemiologische Studien legen nahe, dass Rauchende möglicherweise ein rund doppelt so grosses Risiko einer Erektionsstörung haben als Nichtrauchende. Selbstverständlich wird dieser Anteil noch grösser, wenn weitere Risikofaktoren wie Diabetes berücksichtigt werden.

Fazit

Man kann also nicht beides haben: Sex und Tabak! Zwar sind die sexuellen Probleme nicht systematisch vorprogrammiert, aber sie sind eine häufige mittel- bis langfristige Folge des Rauchens und wirken sich negativ auf die Lebensqualität aus.

Dabei gilt zu beachten, dass die sexuellen Störungen, die im Allgemeinen zwar nicht lebensgefährlich sind, weiter verbreitet sind als gemeinhin angenommen. Sie beeinträchtigen die individuelle und gesamtgesellschaftliche Gesundheit stark und sollten deshalb angemessen medikamentös behandelt werden.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die tabakbedingten sexuellen Erregungsstörungen lassen nach einem Rauchstopp schnell wieder nach. Aber wenn Sie zu lange warten und Ihre Blutgefässe zu sehr geschädigt sind, ist natürlich dieser Nutzen auch geringer.

Links: www.swissexology.com, www.medipsy.ch.

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